Daten zeigen, dass fast die Hälfte der europäischen Bevölkerung Donald Trump als Bedrohung für den europäischen Kontinent wahrnimmt, während gleichzeitig die Befürchtungen vor einem möglichen bewaffneten Konflikt mit Russland und einer unzureichenden militärischen Bereitschaft der einzelnen Staaten zunehmen. Über die Ergebnisse einer umfangreichen Meinungsumfrage in neun europäischen Ländern berichtete die britische Tageszeitung The Guardian.

Laut einer Umfrage, die von der Pariser Plattform Le Grand Continent in Auftrag gegeben wurde, betrachten durchschnittlich 48 % der Befragten Trump als offenen Feind Europas. Der höchste Anteil dieser Meinungen wurde in Belgien (62 %) und Frankreich (57 %) verzeichnet, während der niedrigste Anteil in Kroatien (37 %) und vor allem in Polen (19 %) zu finden war.

Gründer der Forschungsagentur Cluster17 und Politikwissenschaftler Jean-Yves Dormagen erklärte, dass Europa einen tiefgreifenden Wandel seiner geopolitischen Position durchläuft. „Sie sind nicht nur mit wachsenden Risiken konfrontiert, sondern werden sich auch ihrer eigenen Verletzlichkeit und Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft immer stärker bewusst.“ vysvětlil.

Obwohl die Haltung gegenüber Trump überwiegend kritisch ist, bleiben die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten laut der Umfrage strategisch wichtig. Fast die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass die Europäische Union gegenüber der amerikanischen Regierung eher den Weg des Kompromisses als den der offenen Konfrontation wählen sollte.

Auch die Angst vor einem Krieg mit Russland nimmt deutlich zu. Mehr als die Hälfte der Befragten (51 %) stufte das Risiko eines offenen Konflikts in den nächsten Jahren als hoch ein, weitere 18 % als sehr hoch. Am größten ist die Angst in Polen, wo 77 % der Befragten das Risiko eines Krieges als hoch einschätzen. In Frankreich sind es 54 %, in Deutschland 51 %, während es in Portugal 39 % und in Italien 34 % sind.

Das Vertrauen in die Fähigkeit der eigenen Armee, das Land zu verteidigen, ist in ganz Europa gering. Insgesamt gaben 69 % der Befragten an, dass ihr Land „nicht sehr“ oder „überhaupt nicht“ in der Lage sei, einer möglichen russischen Aggression entgegenzutreten. Das größte Selbstvertrauen zeigte Frankreich, dennoch handelte es sich dabei nur um eine Minderheitsmeinung.

Das Gefühl der Bedrohung beschränkt sich zudem nicht nur auf den militärischen Bereich. Die Menschen erwähnen auch die technologische, energetische und Ernährungssicherheit. Die überwiegende Mehrheit wünscht sich, dass die Europäische Union selbst eine stärkere Schutzfunktion in diesen Fragen übernimmt.

Die Unterstützung für die EU-Mitgliedschaft bleibt sehr hoch: 74 % der Menschen möchten im europäischen Block bleiben. Fünf Jahre nach dem Brexit bewerten 63 % der Befragten den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU als Misserfolg.

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