Präsident Petr Pavel und Premierminister Andrej Babiš waren sich nicht einig, wer die Tschechische Republik beim NATO-Gipfel in Ankara (Türkei) am Freitag vertreten wird. Das Hauptthema des Treffens war die Zusammensetzung der tschechischen Delegation, die in den letzten Wochen Gegenstand eines heftigen politischen Streits geworden ist.
Pavel sagte nach dem Treffen, dass er beabsichtige, unabhängig von der Position der Regierung an dem Gipfel teilzunehmen. Er betonte, dass er die Vertretung des Staates im Ausland als seine verfassungsmäßige Aufgabe betrachte. „Ich muss sagen, dass es keinen Konsens gab“.“ sagte der Präsident nach dem Treffen zu Reportern. Er fügte hinzu, dass er eine Zuständigkeitsklage immer noch als letzten Ausweg betrachte, aber falls die Regierung seine Beteiligung endgültig ablehne, sei er bereit, sie in Betracht zu ziehen.
Der Präsident schlug auch eine Kompromisslösung vor. Er möchte am informellen Teil des Gipfels teilnehmen, d.h. am Abendessen der Staatsoberhäupter und an der Debatte über europäische und globale Sicherheit. An dem offiziellen Treffen würden seiner Meinung nach Premierminister Babiš sowie Außenminister Petr Macinka und Verteidigungsminister Jaromír Zůna teilnehmen. „Ich sehe das als ein Zugeständnis an die Regierung“.“ uvedl Pavel.
Babiš erschien nach dem Treffen nicht vor Journalisten. Er verließ das Schloss kurz nach Ende des Treffens und begab sich zu einer Gedenkveranstaltung in Vítkov. Der Premierminister hat wiederholt erklärt, dass die Regierung für die Außenpolitik verantwortlich ist und dass die Regierungsdelegation zum Gipfel reisen sollte. Es sei logisch, dass die tschechischen Verpflichtungen gegenüber der NATO vom Kabinett verteidigt werden sollten, das den Staatshaushalt vorbereitet und über die Verteidigungsausgaben entscheidet.
Auch der tschechische Außenminister Macinka meldete sich zu Wort und erklärte, dass nur das Außenministerium befugt sei, die Zusammensetzung der tschechischen Delegation bei der NATO bekannt zu geben. Pavel hingegen erinnert an die frühere verfassungsmäßige Praxis, wonach Präsidenten und Premierminister regelmäßig an den Gipfeltreffen des Bündnisses teilnahmen. Er selbst hat seit seinem Amtsantritt an allen NATO-Gipfeltreffen teilgenommen - in Vilnius, Washington und Den Haag.
Die Spannungen zwischen dem Präsidenten und den Vertretern der Partei "Autofahrer für uns" halten seit der Bildung der derzeitigen Regierung an. In der Vergangenheit hat Pavel einige Nominierungen der Partei für das Kabinett abgelehnt, und jetzt kritisiert er auch Äußerungen einiger ihrer Politiker. Der Streit um den NATO-Gipfel ist somit nicht nur eine außenpolitische Frage, sondern auch ein weiteres Symbol für die wachsenden Spannungen innerhalb der tschechischen politischen Vertretung.
gnews.cz - GH
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