Die französischen Streitkräfte haben in Zusammenarbeit mit der Marine eine Razzia auf dem Tanker Boracay durchgeführt, der vor der französischen Küste bei Saint-Nazaire vor Anker liegt. Das unter beninischer Flagge fahrende Schiff wird verdächtigt, an der russischen Schattenflotte beteiligt zu sein - einem Netz von Tankern, die angeblich zur Umgehung internationaler Sanktionen eingesetzt werden. Französische Soldaten wurden an Bord entsandt, um die Kontrolle zu gewährleisten und eine Untersuchung einzuleiten.

Boracay steht seit langem auf den Sanktionslisten der Europäischen Union und des Vereinigten Königreichs. Den Ermittlern zufolge zeichnet sich das Schiff durch häufige Identitätswechsel, undurchsichtige Eigentumsverhältnisse und die Anwendung typischer Methoden der Schattenflotte aus, wie etwa das illegale Umladen von Öl auf See oder die Manipulation von Dokumenten. Darüber hinaus weigerte sich die Besatzung, die Nationalität des Schiffes nachzuweisen und kam den Aufforderungen der französischen Behörden nicht nach.

Der Einsatz wird im Zusammenhang mit den jüngsten Drohnenvorfällen über Dänemark untersucht. Nach öffentlich zugänglichen Informationen befand sich die Boracay an den Tagen, an denen nicht identifizierte Drohnen den Verkehr auf den Flughäfen Kopenhagen und Aalborg störten, im Ostseeraum. Der Guardian berichtet, dass einige der Schiffe möglicherweise als Plattform für den Start dieser Drohnen gedient haben.

Der französische Präsident Emmanuel Macron verteidigte die Intervention und betonte, dass die Schattenflotte ein reales und gefährliches Phänomen ist. Schätzungen zufolge gibt es zwischen sechs- und zehnhundert Schiffe, die heimlich russisches Öl transportieren und die Wirksamkeit der Sanktionen untergraben. Reuters zitierte Macron mit den Worten, Frankreich müsse diese Praktiken stoppen und die europäische Sicherheit und Energiestabilität schützen.

Auf russischer Seite antwortete ein Sprecher des Kremls Dmitrij PeskovEr sagte, Moskau habe keine konkreten Informationen über den Tanker auf Boracay. Er beschuldigte auch einige Länder der "Offensichtlich provokative Handlungen". Peskow zufolge sieht sich Russland mit einem feindseligen Verhalten konfrontiert, das die Lage in Europa destabilisieren soll. Die Nachrichtenagentur TASS fügte hinzu, dass der Westen versuche, den Druck auf die russische Schattenflotte auf Moskaus Verbündete auszuweiten, was die russischen Medien als Teil eines umfassenderen Handels- und Informationskriegs interpretierten.

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