Finnland hat sich der Inbetriebnahme des weltweit ersten Tiefenlagers für abgebrannte Kernbrennstoffe angenähert. Die finnische Strahlenschutz- und Kernsicherheitsbehörde STUK hat eine positive Stellungnahme zur Betriebslizenz für die Anlage Onkalo abgegeben, die in der Nähe des Kernkraftwerks Olkiluoto an der Westküste des Landes entstanden ist.
Laut der Behörde erfüllt die Anlage die Anforderungen an die Strahlen- und Kernsicherheit, die im finnischen Kernenergiegesetz und den zugehörigen Vorschriften festgelegt sind. Aus Sicherheitssicht bestehe daher laut STUK kein Hindernis, das der Erteilung einer Betriebslizenz entgegenstünde.
Die endgültige Entscheidung muss jedoch von der finnischen Regierung getroffen werden. Diese wird den Antrag auf der Grundlage von Unterlagen prüfen, die vom Ministerium für Wirtschaft und Beschäftigung vorbereitet werden. Eine etwaige Genehmigung der Lizenz würde den Abschluss mehrerer Jahrzehnte an Forschung, Planung und Bau bedeuten.
STUK bezeichnete die aktuelle Projektphase als einen weltweiten Meilenstein. Es handelt sich nämlich um das erste geologische Tiefenlager für abgebrannte Kernbrennstoffe, das bis zur Phase der Entscheidung über eine Betriebslizenz gelangt ist. Eine Reihe weiterer Länder bereitet ähnliche Anlagen vor, doch keine ist bisher so nah an der Aufnahme des regulären Betriebs.
Das Lager Onkalo wurde vom finnischen Unternehmen Posiva errichtet, das den Kernkraftwerksbetreibern Teollisuuden Voima und Fortum gehört. Die Anlage befindet sich in festem Granituntergrund in einer Tiefe von etwa 400 bis 450 Metern.
Der abgebrannte Brennstoff soll zunächst in spezielle Metallbehälter eingeschlossen werden. Diese werden anschließend in Tunneln eingelagert und von Bentonitton umgeben, der das Eindringen von Wasser und die Bewegung radioaktiver Stoffe einschränken soll. Nach der Befüllung werden die einzelnen Teile des Lagers schrittweise verschlossen.
Die Kapazität der Anlage beträgt bis zu 6.500 Tonnen abgebrannter Kernbrennstoffe. Die beantragte Betriebslizenz soll bis zum Jahr 2070 gelten. Die eigentliche Einlagerung des Abfalls sowie die Versiegelung der unterirdischen Hohlräume wird jedoch ein langwieriger Prozess sein, der sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken kann.
Finnland betrachtet die geologische Tiefenlagerung als die sicherste Methode zur langfristigen Entsorgung hochradioaktiver Abfälle. Das Projekt Onkalo wird daher auch in anderen Ländern aufmerksam verfolgt, die nach einer dauerhaften Lösung für den beim Betrieb von Kernkraftwerken anfallenden Abfall suchen.
gnews.cz - GH