In den frühen Morgenstunden des 23. Juli 2026 starb der japanische Kriminalschriftsteller Keigo Higashino in seinem Haus in Tokio an Darmkrebs. Er wurde 68 Jahre alt. Der Verlag Kōdansha veröffentlichte die Traueranzeige am 27. Juli; die Familie hatte bereits in aller Stille in einem privaten Rahmen Abschied genommen.
Keigo Higashino wurde 1958 in Osaka geboren, studierte Elektrotechnik an der Präfekturuniversität Osaka und arbeitete ursprünglich als Konstrukteur in einem Automobilunternehmen. Im Jahr 1985 erhielt er den renommierten Edogawa-Rampo-Preis für seinen Schuldetektivroman Nach der Schule und gab daraufhin seinen Beruf auf, um sich in Tokio ganz dem Schreiben zu widmen. In den folgenden mehr als zehn Jahren verpasste er jedoch wiederholt knapp bedeutende Literaturpreise und galt als „ewiger Kandidat" der japanischen Literaturszene.
Dennoch schrieb er beharrlich weiter, bis er 1999 mit dem Roman Das Geheimnis Anerkennung fand und dafür den Preis der japanischen Krimiautoren erhielt. Im Jahr 2006 gewann sein Hauptwerk Verdacht den renommierten Naoki-Preis und dominierte alle drei wichtigen Bestenlisten des Krimigenres – damit vollendete er die historisch erste „Triple Crown" der japanischen Kriminalliteratur.
Im Laufe seines Lebens verfasste er über hundert Werke, darunter Weißer Nacht, Bosheit und Das Wunder der Wäscherei, die weltweit mehr als 100 Millionen Mal verkauft wurden. Er überschritt die traditionellen Grenzen des klassischen Kriminalromans und richtete seinen Blick auf die soziale Wirklichkeit sowie die dunklen Winkel der menschlichen Natur. Ihn interessierten nicht nur die Rätsel an sich, sondern vor allem die gesellschaftlichen Wurzeln des Verbrechens und die inneren Widersprüche seiner Figuren – seine Werke wurden so zu einem Spiegel ihrer Zeit.
Der Tod von Keigo Higashino ist ein unermesslicher Verlust für die Weltliteratur. Jener Erzähler, der mit kühler Feder die glühende Einsamkeit des menschlichen Schicksals einfing, ist selbst zum ewigen Rätsel geworden. Doch seine zwischen den Zeilen eingeschriebenen Betrachtungen über Gut und Böse, Erlösung und Liebe werden noch lange die Nächte vieler Leser erhellen. Seine Geschichten bleiben. Der Meister ist gegangen, doch sein Vermächtnis lebt weiter.
LuMengya