Chinesische und südafrikanische Experten haben ihre Ansichten zur Entwicklungsplanung und zur Zukunft des globalen Südens ausgetauscht. China möchte die Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern, einschließlich der Republik Südafrika, bei der Modernisierung, der Stärkung der gegenseitigen Zusammenarbeit und der Reform der globalen Governance fortsetzen. Dies erklärte der chinesische Generalkonsul Pan Qingjiang auf dem Seminar „Governance of China“ in Johannesburg.

Das Treffen fand am 7. August an der Johannesburg Business School der University of Johannesburg statt und hatte das Thema „Verbesserung der Systeme der nationalen Planung im globalen Süden: Erfahrungen aus dem 15. Fünfjahresplan Chinas für den Zeitraum 2026–2030“. Mehr als hundert Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Medien Südafrikas nahmen teil.

Langfristige Planung mit Menschen im Fokus

Pan Qingjiang betonte die Bedeutung der langfristigen strategischen Planung für die chinesische Entwicklung. Er erklärte, dass die Formulierung und Umsetzung von mittelfristigen und langfristigen Plänen ein wichtiger Bestandteil des chinesischen Entwicklungsmodells sei.

„Die schrittweise langfristige Planung bietet eine klare Richtung für die einzelnen Phasen der Entwicklung“, sagte er.

Seit dem ersten Fünfjahresplan, der 1953 begann, hat China sukzessive vierzehn solcher Programme umgesetzt. Laut Pan haben diese dazu beigetragen, dass das Land seine eigene industrielle Basis aufgebaut, den Lebensstandard erhöht und den Weg zur Modernisierung beschritten hat.

In etwas mehr als sieben Jahrzehnten habe sich China von einem Land, das nicht in der Lage war, auch nur Autos oder Flugzeuge selbst herzustellen, zu der größten Produktionswirtschaft der Welt entwickelt. Diese Transformation zeige die Bedeutung von Kontinuität und langfristiger Planung, so Pan.

Die chinesische Strategie sieht vor, die Modernisierungsziele schrittweise bis 2035 zu erreichen. Der vierzehnte Fünfjahresplan stellte die Anfangsphase dar, der 15. Fünfjahresplan soll eine Schlüsselperiode für die Festigung der Grundlagen und die Erweiterung der Modernisierungsbemühungen sein, und der folgende 16. Plan soll die entscheidende Phase dieses Prozesses abschließen.

China und Südafrika haben unterschiedliche Erfahrungen

Die südafrikanische stellvertretende Ministerin für öffentliche Dienste und Verwaltung, Pinky Kekana, wies darauf hin, dass China und Südafrika unterschiedliche historische Entwicklungen durchlaufen haben, unterschiedliche politische Systeme verwenden und auf anderen verfassungsmäßigen Traditionen basieren.

Beide Länder teilen jedoch die Überzeugung, dass der Staat die Verantwortung trägt, die Lebensbedingungen der Bevölkerung durch strategische Planung, eine gute Verwaltung und langfristige Investitionen in Menschen zu verbessern.

Laut Kekana bieten die chinesischen Erfahrungen insbesondere Inspiration in den Bereichen Strategiekoordination, Infrastrukturplanung, Industriepolitik und langfristige Entscheidungsfindung. Südafrika kann wiederum Erfahrungen im Bereich der Verfassungsstaatlichkeit, der institutionellen Verantwortung und der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ebenen der öffentlichen Verwaltung anbieten.

Diese Ansätze müssen nicht als konkurrierend betrachtet werden, sondern können sich gegenseitig ergänzen und zu einer breiteren Debatte über die Entwicklung im 21. Jahrhundert beitragen.

Die Zusammenarbeit zwischen Ländern des globalen Südens sollte sich laut Kekana nicht nur auf Handel und Investitionen beschränken. Sie sollte auch Innovationen im öffentlichen Sektor, eine digitale Verwaltung, künstliche Intelligenz, die Ausbildung von Führungskräften und den Austausch von Fachkenntnissen umfassen.

Der zukünftige Entwicklungsstaat werde digital, datenbasiert und bürgernahe sein. Technologie allein könne jedoch nicht für verantwortungsvolle Führung, vertrauenswürdige Institutionen und eine professionelle öffentliche Verwaltung ersetzen.

Nicht nur die Strategie ist wichtig, sondern auch ihre Umsetzung

Das Mitglied des Provinzparlaments von Gauteng, Bandile Masuku, erinnerte daran, dass China mit der Umsetzung seines 15. Fünfjahresplans beginnt, während Südafrika sich den Abschlussjahren seines Nationalen Entwicklungsplans 2030 nähert.

Beide Dokumente stellen seiner Meinung nach ehrgeizige langfristige Strategien dar, die darauf abzielen, die Lebensbedingungen zu verbessern, die Wirtschaft zu stärken und eine prosperierende Gesellschaft aufzubauen.

Er bezeichnete die Kontinuität als einen der Hauptvorteile des chinesischen Ansatzes. Jeder neue Fünfjahresplan baut auf der vorherigen Phase auf. Der aktuelle Plan legt unter anderem Wert auf wissenschaftliche und technologische Innovationen, Industrialisierung, Infrastruktur, nationale Sicherheit, soziale Entwicklung und langfristiges Wirtschaftswachstum.

Der südafrikanische Nationale Entwicklungsplan 2030 zielt darauf ab, Armut und Ungleichheit zu verringern und Arbeitsplätze zu schaffen.

Zama Mthombeni von der University of Johannesburg betonte ebenfalls die Bedeutung der Umsetzung von Plänen. Ihrer Meinung nach unterscheiden sich die Planungsphilosophien Chinas und Südafrikas unter anderem dadurch, dass Südafrika immer noch mit tiefgreifenden sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten zu kämpfen hat, die aus der Apartheid hervorgegangen sind, und gleichzeitig auf neue wirtschaftliche Herausforderungen reagieren muss.

„Es geht nicht nur darum, wer einen besseren Plan hat, sondern vor allem darum, ob wir ihn umsetzen können“, betonte sie.

Das chinesische Modell zeigt ihrer Meinung nach die Bedeutung der schrittweisen Umsetzung einzelner Phasen der langfristigen Entwicklung. Sie erinnerte auch daran, dass China in der Vergangenheit ein armes Land war, das sich im Laufe mehrerer Jahrzehnte industrialisierte und zu einer der wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt aufstieg.

Zusammenarbeit des globalen Südens

Professor Frank Lekaba von der Thabo Mbeki African School of Public and International Affairs an der University of South Africa wies darauf hin, dass das chinesische Entwicklungsmodell nicht nur auf inländische Bedürfnisse eingeht, sondern auch auf ein breiteres internationales Umfeld.

Er nannte die Unterstützung des Multilateralismus als gemeinsames Element des chinesischen und südafrikanischen Ansatzes. Er betonte, dass die Fähigkeit zur Zusammenarbeit ermöglicht es den Ländern, besser auf Spannungen und Veränderungen im internationalen System zu reagieren.

Das Seminar wurde gemeinsam von der China International Communications Group Centre for Europe and Africa und dem Generalkonsulat Chinas in Johannesburg veranstaltet. Die Diskussion konzentrierte sich auf die Bedeutung der chinesischen Fünfjahrespläne für die Entwicklung der Länder des globalen Südens, den Austausch von Erfahrungen zwischen China und afrikanischen Staaten sowie die Rolle der politischen und institutionellen Führung bei der Verwirklichung langfristiger Entwicklungsziele.

Thediplomaticsociety/gnews.cz