BERLIN - Die Einfuhren chinesischer Autos und Autoteile nach Deutschland sind in der ersten Jahreshälfte um 75 Prozent gestiegen, obwohl die Gesamteinfuhren aus China zurückgegangen sind. Die deutschen Exporte von Autos und Teilen nach China gingen um 21 Prozent zurück. In seinem zprávě Die Zahlen zeigen, dass der größte europäische Automobilstandort zunehmend unter Druck gerät. Allgemeiner ausgedrückt: Autos werden immer mehr zu einem asiatischen Produkt, so das IW.

Nach Angaben des IW sind in diesem Jahr mehrere chinesische Marken auf dem deutschen Markt vertreten. Insgesamt sind es acht, die aber nur 1,5 Prozent des gesamten Pkw-Absatzes hierzulande ausmachen.

Die in China produzierten Fahrzeuge nicht-chinesischer Hersteller tragen ebenfalls zum Anstieg der Importe bei. So importiert beispielsweise der deutsche Automobilhersteller BMW sein vollelektrisches Fahrzeug iX3 aus China.

Die Studie kommt kurz nachdem die Europäische Kommission (EC) angekündigt hat, dass sie eine Untersuchung darüber einleitet, ob sie Strafzölle auf Importe chinesischer Elektrofahrzeuge erheben soll, da der Verdacht besteht, dass diese von staatlichen Subventionen profitieren.

Die deutschen Exporte nach China sind in der ersten Jahreshälfte insgesamt um mehr als acht Prozent zurückgegangen. Drei Viertel dieses Rückgangs entfielen auf Autos und Autoteile.

"Das Geschäftsmodell, das früher die Produktion in Deutschland stützte - der interkontinentale Export von hochwertigen Fahrzeugen - gerät zunehmend unter Druck", so die Studienautoren Jürgen Matthes und Thomas Puls. "Die deutschen Hersteller verlagern seit einigen Jahren immer mehr Produktion nach China, nun auch verstärkt in der ehemals langlebigen Premiumklasse."

Fast 60 Prozent aller Autos wurden im vergangenen Jahr in Asien produziert, im Jahr 2000 waren es noch 31 Prozent, so die IW-Studie. Europa verliert für die Branche an Bedeutung. Nur noch Deutschland und Spanien gehören zu den zehn größten Automobilherstellern der Welt, während im Jahr 2000 auch Italien, Frankreich und Großbritannien zu dieser Gruppe gehörten.

Die deutschen Automobilhersteller verdanken ihre relative Widerstandsfähigkeit ihrem Eintritt in den chinesischen Markt in den 1980er Jahren, so das IW.

Die Studie wies auch darauf hin, dass die Gesamteinfuhren aus China nach Deutschland im ersten Halbjahr um 17 Prozent zurückgegangen sind. Dies könnten die ersten Anzeichen für eine abnehmende Abhängigkeit Deutschlands von China sein.

(CTK/JaV)