LONDON/NEW YORK - Die Ölpreise stiegen heute stark an, nachdem die Vereinigten Staaten und die Europäische Union neue Sanktionen angekündigt hatten, die die russischen Ölgiganten Rosneft und Lukoil direkt treffen. Die Märkte reagierten sofort mit Befürchtungen, dass Lieferengpässe und Probleme mit den Zahlungswegen zu einer weiteren Verknappung der weltweiten Ölströme führen werden. Wie Reuters berichtet, zielen die Sanktionen auf Rosneft und Lukoil - die beiden größten russischen Ölgesellschaften - und sollen die Finanzströme des Kremls lahmlegen.
Offiziellen Berichten zufolge zielen die Sanktionen der US-Regierung darauf ab, die Möglichkeiten Moskaus zur Finanzierung der Kriegsanstrengungen einzuschränken - ein Schritt, der unter anderem Beschränkungen des Zugangs zu Dollar-Transaktionen und mögliche sekundäre Sanktionen gegen Zwischenhändler und Kunden umfasst. In der Zwischenzeit hat die Europäische Union ein ergänzendes Maßnahmenpaket gebilligt, das die westliche Koordinierung erheblich vertieft.
Die schnelle Reaktion des Marktes zeigte sich in den Daten der Londoner und New Yorker Börsen: Sowohl beim Brent- als auch beim WTI-Handel kam es innerhalb weniger Stunden zu Preissteigerungen von mehreren Prozent, da die Händler die verfügbaren Rohölmengen neu bewerteten. "Der Brent-Kontrakt für den ersten Monat wird jetzt etwa zwei Dollar pro Barrel über dem Sechsmonatskontrakt gehandelt". Wie Reuters berichtet, handelt es sich dabei um eine Marktstruktur, die als "Backwardation" bezeichnet wird und in der Regel eine Verknappung des Angebots bedeutet.
Die Folgen der Sanktionen spiegeln sich schnell in den Geschäftsentscheidungen der großen Importeure wider: Indische Raffinerien, die zu den größten Abnehmern von russischem Rohöl gehören, überprüfen bereits ihre Verträge und reduzieren die Käufe von russischem Rohöl, um das Risiko von Sekundärsanktionen und logistischen Komplikationen zu vermeiden, wie Quellen berichten. Diese Änderung des indischen Verhaltens könnte sich direkt auf den Fluss des russischen Rohöls auf den Weltmärkten auswirken und die Preisvolatilität weiter erhöhen.
Ebenso haben staatliche chinesische Ölgesellschaften als Reaktion auf die jüngsten Maßnahmen ihre Käufe von russischem Rohöl vorübergehend ausgesetzt, was den Druck auf Moskau erhöht, das in den letzten Jahren auf asiatische Abnehmer angewiesen war, um den Exportfluss aufrechtzuerhalten. Die Annullierung oder Reduzierung dieser Verträge würde bedeuten, dass russische Exporte mit größeren logistischen und preislichen Kompromissen konfrontiert würden.
Analysten warnen, dass auf einen kurzfristigen Angebotsschock eine höhere Preisvolatilität folgen könnte - was vor allem davon abhängt, wie schnell die Importeure alternative Lieferanten finden und wie flexibel die Logistikketten sind. Kurzfristig bleibt die Marktstimmung jedoch anfällig: Geopolitische Risiken im Zusammenhang mit Sanktionen und möglichen Vergeltungsmaßnahmen Moskaus könnten den globalen Ölmarkt weiter belasten.
Insgesamt stellen die neuen Sanktionen einen bedeutenden Meilenstein in der Energiepolitik des Westens gegenüber Russland dar - und die Märkte kalkulieren nun die Risiken neu, wobei der Ölsektor und die großen Importeure in Asien eine Schlüsselrolle dabei spielen, wie tiefgreifend und lang anhaltend die Auswirkungen sein werden.
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