Europa steht vor einer der schwersten Drogenkrisen der letzten Jahrzehnte. Der Kokainkonsum in der Europäischen Union hat sich zwischen 2013 und 2023 versechsfacht, der Methadonkonsum sogar verdreifacht. Dies gab der EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner, auf einer Pressekonferenz in Brüssel bekannt. Wie die Agentur TASS berichtete, handelt es sich laut dem Kommissar nicht mehr nur um ein statistisches Problem, sondern um eine Krise mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Sicherheit, die Gesundheit der Bevölkerung und die Stabilität der gesamten Gesellschaft.
Brunner wies darauf hin, dass auch die Menge der beschlagnahmten Drogen dramatisch zunimmt. Die Sicherstellungen von Kokain haben sich versechsfacht, die von Methamphetamin mehr als verdreifacht und die von Ecstasy mehr als verdoppelt. „Es sind nicht nur Zahlen. Es geht um Menschenleben, Blut, Gewalt, Korruption und enorme soziale Schäden.“ erklärte er. Die Europäische Kommission startet daher eine neue europaweite Anti-Drogen-Strategie, deren Ziel es ist, sowohl gegen die Herstellung und den Schmuggel als auch gegen die Nachfrage selbst vorzugehen.
Die Strategie sieht eine Verschärfung der Kontrollen von Chemikalien vor, die zur Herstellung von Drogen verwendet werden, eine intensivere Bekämpfung illegaler Labors für synthetische Drogen und eine verstärkte Zusammenarbeit der Polizei zwischen den Mitgliedstaaten sowie mit den Ländern, aus denen die Drogen nach Europa gelangen. Brunner erklärte außerdem, dass neue Aufklärungs- und Präventionsprogramme für junge Menschen ins Leben gerufen werden sollen. Die Europäische Kommission wolle nicht über die Legalisierung von Drogen diskutieren, so Brunner.
Nach Angaben der Europäischen Drogenagentur gehört Europa zu den Hauptzielmärkten für Kokain aus Lateinamerika. Rekordmengen an Beschlagnahmungen werden vor allem in Häfen in Belgien, den Niederlanden und Spanien verzeichnet. Analysen von Abwässern in Hunderten von europäischen Städten bestätigen zudem seit Langem einen steigenden Konsum von Stimulanzien, insbesondere Kokain, Amphetamin und MDMA. Experten zufolge sind Drogen heute leichter zugänglich als je zuvor und dringen auch in Umfelder vor, die früher relativ geschützt waren.
Die zunehmende Verfügbarkeit spiegelt sich direkt in den Gesundheitsstatistiken wider. Es gibt immer mehr akute Vergiftungen und immer häufiger werden mehrere Drogen gleichzeitig konsumiert, was das Risiko einer Überdosierung dramatisch erhöht. Darüber hinaus wird Kokain immer häufiger in Verbindung mit synthetischen Opioiden konsumiert. Die Europäische Kommission will nun auch Drohnen, Satellitenüberwachung und künstliche Intelligenz gegen Schmuggler einsetzen, um Schmuggelrouten aufzudecken, bevor die Drogen auf die Straße gelangen.
Die Auswirkungen der zunehmenden Drogenwelle gehen über den Gesundheitsbereich hinaus. Die steigende Kriminalität, Gewalt, Belastung des Gesundheits- und Sozialsystems sowie das Eindringen der organisierten Kriminalität in die legale Wirtschaft stellen für die EU-Staaten ein ernstes Sicherheitsrisiko dar. Experten zufolge handelt es sich längst nicht mehr um ein Randphänomen, sondern um ein gesamtgesellschaftliches Problem.
Spezifisch ist in dieser Hinsicht die Situation in der Tschechischen Republik. Während in Westeuropa Kokain dominiert, bleibt in Tschechien Pervitin die problematischste Droge. Nach Angaben der Nationalen Beobachtungsstelle für Drogen und Sucht wird Pervitin weiterhin in kleinen Heimlabors hergestellt und ist die Hauptursache für den injizierenden Drogenkonsum und die Drogenkriminalität.
Im Vergleich zu Westeuropa hat Kokain in der Tschechischen Republik einen geringeren Anteil, aber sein Konsum steigt in den letzten Jahren leicht an. Schätzungen zufolge haben mehrere Prozent der erwachsenen Bevölkerung Erfahrungen mit Kokain. Die Zahl der Menschen mit problematischem Drogenkonsum liegt in Tschechien seit langem bei etwa 45 bis 47 Tausend. Gleichzeitig nimmt auch die Zahl der tödlichen Überdosierungen zu, insbesondere bei Kombinationen mehrerer Substanzen, darunter Opioide. Das tschechische Gesundheitswesen sieht sich somit ähnlichen Trends wie der Rest Europas gegenüber, nur mit einer anderen Droge als Hauptrisikofaktor.
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