Die Prager Nationalgalerie präsentierte eine einzigartige Statue der Madonna von Havran aus dem 14. Jahrhundert. Die etwa einen Meter hohe Holzschnitzerei zeigt die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind als Königin der Engel, sitzend auf einem Thron, der von Engeln getragen wird, die Musikinstrumente spielen. Nach einer dreijährigen Restaurierung, einer chemisch-technologischen Analyse und einer fachlichen Untersuchung der Skulptur kann sie nun in der St.-Agnes-Kirche in der Prager Altstadt besichtigt werden, wo sie die Dauerausstellung der Nationalgalerie erheblich bereichert. Mittelalterliche Kunst in Böhmen und Mitteleuropa 1200–1550.
Die Nationalgalerie erwarb die Skulptur 2022 dank einer Sonderanschaffung aus Mitteln des tschechischen Kulturministeriums für 4,5 Millionen Kronen von einem privaten Eigentümer. Nach Angaben von Vertretern der Galerie befand sich die Skulptur im 19. Jahrhundert in der kleinen Kirche St. Laurentius in Havrani bei Most, die bereits seit 1337 bekannt ist und von der sich auch ihr Name ableitet. Das Haus in der Region Most, in dem sie dann jahrelang auf dem Dachboden lag, gehörte offenbar Sudetendeutschen, deren Eigentum nach dem Krieg durch die Beneš-Dekrete vom Staat enteignet wurde. Die heutigen Besitzer des Hofes fanden sie hinter einem Balken versteckt und boten sie zum Verkauf an. Eine Konsultation mit Experten ergab, dass es sich um ein außergewöhnliches Wertstück handelt – ein bisher unbekanntes Werk aus der Zeit Karls IV.
Nach einer aufwendigen professionellen Restaurierung hat die Statue ihre ursprüngliche Polychromie in Gold und Silber wiedererlangt, wodurch auch die feinen Details der Schnitzerei zur Geltung kommen. Einige Teile fehlen jedoch und andere sind beschädigt. Die abgeschnittenen Spitzen der Köpfe der Jungfrau Maria und des Jesuskindes deuten beispielsweise darauf hin, dass sie in der Vergangenheit Metallkronen trugen, wie sie für verehrte Statuen im Barock typisch waren. Auf der Brust der Madonna sind Spuren zu sehen, die darauf hindeuten, dass ihr Kopf und ihr Oberkörper ursprünglich von einem Schleier bedeckt waren, dessen Zipfel offenbar vom Jesuskind gehalten wurde. In späteren Jahrhunderten wurden der Schleier und die Hand des Jesuskindes abgeschnitten, damit die Statue mit festlichen Gewändern bekleidet und bei Andachten in Prozessionen mitgeführt werden konnte. Dem gleichen Zweck fielen auch die ursprünglich hervorstehenden Flügel des Engels zum Opfer, der den Thron stützt. Ein nicht minder wichtiges Motiv ist der Gürtel der Jungfrau Maria. Diese Hervorhebung eines Teils von Marias Kleidung verweist wahrscheinlich auf die Reliquie des Gürtels der Jungfrau Maria, die Karl IV. 1354 dem Prager St.-Veits-Schatz schenkte.
Die Skulptur stammt aus den 60er bis 70er Jahren des 14. Jahrhunderts und laut Experten weisen ihre außergewöhnliche künstlerische Qualität, durchdachte Ikonografie und das teure Material darauf hindeuten, dass der Auftraggeber der Madonna aus dem Kreis der Höflinge des Kaiserhofs stammte und sie für eines der Klöster in der Region Most bestellte, die in der Luxemburger Zeit zu den kulturell und wirtschaftlich bedeutenden Regionen gehörte. Die Verwandtschaft dieser Madonna mit anderen Madonnen aus der Regierungszeit Karls IV., als sich der sogenannte schöne Stil zu entwickeln begann, ist offensichtlich. Damals entstanden auf dem Gebiet der Böhmischen Krone so berühmte Werke wie die Madonnen von Pilsen und Krumlov oder das Tafelbild von Jan Očko aus Vlašim mit der bekannten Darstellung von Kaiser Karl IV., der sich vor der Mutter Gottes verneigt.
Die Nationalgalerie stellt die Madonna aus Havraně neben anderen wunderschönen Madonnen aus Nordböhmen aus: die Madonna aus Bečov und die Madonna aus Zahražany. Alle drei verbindet ihre Entstehungszeit, ihre Region und ihre meisterhafte Ausführung.
Die Ausstellung mittelalterlicher Kunst kann im Kloster der Heiligen Agnes von Böhmen in der U Milosrdných 17, Prag 1 (Eingang von den Straßen Na Františku und Anežská) immer von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr besucht werden. Der reguläre Eintrittspreis beträgt 250 CZK, der ermäßigte 140 CZK.
Das NGP lädt auch zu einer Reihe von Advents- und Weihnachtsprogrammen für die Öffentlichkeit ein, die im Kloster der Heiligen Agnes von Böhmen stattfinden.
Samstag, 20. Dezember., 14.00 und 16.00 Uhr: Warum feiern wir Weihnachten?
Samstag, 3. Januar 2026, 14.00 und 16.00 Uhr: Die Heiligen Drei Könige und ihre Darstellung in der mittelalterlichen Kunst.
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