Zu einer wahrhaft süßen Ausstellung lädt uns die renommierte Créme de la Créme ein – eine einzigartige Konditorei in Prag in der Národní třída 23. Im ersten Stock der sogenannten Eis-Salons finden regelmäßig Ausstellungen bildender Kunst statt, und heute, vom 5.12.2025 bis zum 18.2.2026, können wir hier neben unserem Magen auch unsere Augen mit dem Anblick von zwei Dutzend gelungenen Farbfotos aus Italien des renommierten tschechischen Kunsthistorikers und Fotografen Pavel Scheufler erfreuen.
Wie bekannt ist, ist der genannte Künstler nach den Worten des Schriftstellers Adolf Branald ein Meister der schwarzen Kiste, Fotografiehistoriker und Autor einer langen Reihe von Büchern und Ausstellungen. Er ist außerdem Dozent für Fotokurse bei FotoŠkoda und unter anderem langjähriger Redakteur der beliebten Monatszeitschrift FotoVideo. Im Jahr 2024 wurde Pavel Scheufler vom Verband professioneller Fotografen für seinen langjährigen Beitrag zur Fotografie mit dem Preis „Persönlichkeit der tschechischen Fotografie” ausgezeichnet. Er hatte fast zweihundert Ausstellungen, von denen wir zumindest die Präsentation in Slowenien und anlässlich des Monats der Fotografie in Bratislava in diesem Jahr erwähnen möchten. Die drei letzten Präsentationen im Inland werden durch die hier vorgestellte Ausstellung gekrönt. Autofahrer in Neapel.
Straßentheater und sympathisches Chaos
Madonna mia... Aus unseren Lippen entweichen in Créme de la Créme lobende Ausrufe beim Anblick der überfüllten neapolitanischen Gassen, die reich mit Sgraffito verziert sind und deren zentrales Motiv Motorroller in allen möglichen und unmöglichen Situationen sind. Ein echtes Straßentheater, wie Pavel Scheufler mit seiner Sony in der Hand betont, der bei seiner fotografischen Jagd in Neapel oft sogar riskierte, überfahren zu werden.




Zusammen mit den Liebhabern der Köstlichkeiten der örtlichen Konditorei betrachten wir also sorgfältig ein Foto nach dem anderen. Sie sprühen vor Farben und zeigen das charakteristische italienische Treiben des täglichen und nächtlichen Lebens der Stadt – kurz gesagt, es gibt viel zu sehen. Pavel Scheufler reiste in der ersten Hälfte dieses Jahres nach Neapel, um seine Fotos zu machen, und wie die meisten Touristen war er von dieser drittgrößten Stadt Italiens begeistert, obwohl Neapel ihn auf seine Weise willkommen hieß und er wie viele andere auch bestohlen wurde. Aber er starb nicht, wie ein altes Sprichwort über diese Stadt unter dem Vesuv sagt. Im Gegenteil, er brachte reichhaltiges Material für eine Fotoausstellung am Ende des Jahres in Prag mit. Während der Vernissage erzählte uns Pavel Scheufler zum Thema der Ausstellung:
„Obwohl ich kein Autofahrer bin, interessiere ich mich für Autos und Motorräder, sowohl in technologischer als auch in ästhetischer Hinsicht, und verfolge ihre Entwicklung. In Italien fasziniert mich die Welt der Motorräder geradezu. Wie natürlich, anmutig und geschickt sie sich durch die Menschenmassen schlängeln, und dass sie sogar auf dem Bürgersteig fahren, ohne dass sich jemand darüber aufregt oder ärgert...Für mich verkörpern die Italiener auf ihren Motorrädern irgendwie den Geist Italiens. Für einen Straßenfotografen ist Neapel ein Paradies...“
Der Ausstellungskatalog wurde dieses Mal durch die Dezemberausgabe der Fachzeitschrift FototVideo mit einem redaktionellen Interview über Scheuflers Ausstellung ersetzt. Es bleibt hinzuzufügen, dass dem anspruchsvollen Betrachter zwei oder drei großformatige zentrale Fotografien fehlten, die die Wände der in einen Ausstellungssaal verwandelten Konditorei sozusagen zum Leuchten gebracht hätten, aber das wäre eine Entscheidung der Kuratorin Lucie Horucková gewesen, die ihre Aufgabe dennoch hervorragend gemeistert hat.
Lebenslauf
Wie Wikipedia betont, ist Pavel Scheufler (geb. am 25. September 1950 in Prag) ein tschechischer Fotografiehistoriker und Publizist. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit der Fotografie im Gebiet der Österreichisch-Ungarischen Monarchie bis 1918. Von 1990 bis 2016 lehrte er Fotografiegeschichte an der FAMU. Von 1992 bis 2002 war er Mitglied des Rates des Tschechischen Rundfunks und ist unter anderem langjähriger Mitarbeiter des Magazins FotoVideo. Er ist selbst ein erfolgreicher Fotograf und neben seiner Lehrtätigkeit seit langem auch als Kurator von Fotoausstellungen tätig.
Anfang der 90er Jahre veröffentlichte Scheufler seine Serien über zeitgenössische Fotografie in den einzigartigen Zeitschriften Antique und ArtAntik.
Als Historiker hat er wesentlich zur Erforschung der frühesten Geschichte der Fotografie in unserem Land beigetragen. Er hat maßgeblich zur Popularisierung der tschechischen Fotografie und ihrer Pioniere wie Eckert, Fridrich, Krátký oder Langhans beigetragen. Er ist Autor von mehreren Dutzend Büchern, darunter neun Monografien über Fotografen. Bis heute ist beispielsweise seine Publikation „Fotografické album Čech 1839 – 1914” (Fotografisches Album Böhmen 1839 – 1914) bei Sammlern sehr begehrt.
Pavel Scheufler gründete unter anderem das Elektronische Museum für Fotografie und beteiligt sich an einer Reihe von Projekten, die mit der Bewahrung unseres fotografischen Erbes zusammenhängen. Er ist auch Besitzer der größten tschechischen Sammlung von Fotografien aus der Zeit der k. u. k. Monarchie, die Tausende von Objekten umfasst. Aus seinen jüngsten Veröffentlichungen sei zumindest Krkonoše za císaře pána (Das Riesengebirge unter dem Kaiser) genannt. Das Buch besteht aus vom Herausgeber kommentierten historischen Aufnahmen aus der Zeit, als die Krkonoše von den ersten Skifahrern, Touristen, Erholungssuchenden und Fotografen erobert wurden.
Ivan Cerny