Vrbovka malokvětá (Epilobium parviflorum Schreb.) ist eine Staude mit länglich-lanzettlichen, fein gezähnten, auf der Unterseite grauflockigen Blättern, die überwiegend gegenständig stehen. Die etwa 1 cm große Blüte ist klein und steht gerade; ihre Kronblätter sind blass purpurn gefärbt. Der Fruchtstand ist eine mehrsamige Kapsel mit glänzenden Rändern, zwischen denen sich einzelne Haare befinden. Sie blüht von Juni bis September. Als Pflanze bevorzug sie Halbschatten bis vollen Sonnenschein sowie lockere, mineralstoff- und humusreiche Böden. Sie wächst recht häufig in Gräben, an Bächen, auf feuchten Wiesen, am Waldrand und an Straßenrändern.
Als Erntegut dient die blühende Krautmasse, die Anfang Mai gesammelt wird. Später geerntetes Kraut ist nicht mehr gut; nach dem Abblühen verwelkt es (sogenanntes „Zpapří") und ist mit einer großen Menge heller Flaumhaare sowie Samen bedeckt, wodurch seine Wirkung verloren geht. Daher entfernen wir bei späterer Ernte die Blüten von der Pflanze. In einigen Regionen wurde das Vrbovka-Flaumhaar als Füllung für Kissen verwendet. Verwandte Arten wie beispielsweise die Alpen-Vrbovka (Epilobium montanum), die schmalblättrige Vrbovka oder die rosa Vrbovka haben dieselben oder ähnliche Wirkungen. Grundsätzlich können wir sagen, dass wir bei der Ernte nur die großblütige Vrbovka und die sehr stattliche behaarte Vrbovka ausschließen.
Es handelt sich um eine flavonoidhaltige Pflanze mit einem Gehalt an Anthocyanen, Gerbstoffen, Schleimstoffen sowie weiteren wenig bekannten Substanzen.
Auch wenn die Existenz der Vrbovka seit langem bekannt ist, wird sie in der Therapie vor allem erst in den letzten Jahren genutzt. Dafür trägt unter anderem die österreichische Kräuterkundige Maria Treben (1907–1991) bei, die das Kraut berühmt machte. Doch schon über Jahrhunderte hinweg war die Vrbovka wegen ihrer heilenden Wirkung bekannt.
Sie kommt insbesondere bei Entzündungen der Prostata sowie beim chronischen Prostatismus und altersbedingter gutartiger Vergrößerung der Prostata zum Einsatz. Sie wirkt günstig bei entzündlichen Störungen von Nieren und Harnwegen. Wir können sie auch bei Hauterkrankungen und bestimmten endokrinen Störungen im Rahmen sogenannter blutreinigender Tees anwenden.
Bei Prostataproblemen verabreichen wir die Vrbovka einzeln oder in Mischung mit Goldrute, Johanniskraut, Brennnessel, Heidekraut, Schafgarbe oder Taubenfarn. Alternativ ist eine Kombination aus Vrbovka und Weidenrinde geeignet, da bei manchen Menschen eher der schmalblättrige Weidendost hilft, bei anderen die kleinblütige Vrbovka und am besten ihre gegenseitige Kombination.
Im 19. Jahrhundert wurde in Europa die schmalblättrige Vrbovka als sogenannter „Iwan-Tee" berühmt – also Tee aus fermentierten Blättern. In Russland nannte man ihn den „Trank der Kämpfer". Er besitzt starke Entgiftungsfähigkeiten: Eine konzentrierte Abkochung aus fermentierten Blättern reinigt Darm, Magen und Leber. Daher nutzten die Menschen in Russland diesen Trank zur Behandlung von Alkohol- oder Lebensmittelvergiftungen.
Die Vrbovka ist eine sehr geeignete Pflanze für die Homöopathie.
Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung des Magazins Sféra veröffentlicht.
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