Mehr als drei Monate nach den Parlamentswahlen im Oktober hat die Tschechische Republik eine voll legitimierte Regierung. Das Kabinett von Ministerpräsident Andrej Babiš, das sich aus Vertretern der ANO-Bewegung, der SPD und der Autofahrer zusammensetzt, erhielt am Donnerstagabend das Vertrauen der Abgeordnetenkammer. 108 Abgeordnete stimmten für die Regierung, während 91 Abgeordnete der Oppositionsbänke dagegen stimmten. Die Abstimmung bildete den Abschluss einer extrem langen und hitzigen Sitzung, einer der längsten in der modernen Geschichte des Unterhauses.
Die Debatte über den Vertrauensantrag selbst zog sich über mehrere Tage hin und war von heftigen verbalen Auseinandersetzungen, Behinderungen und langen Reden der Oppositionsabgeordneten geprägt. Sie nutzten den größtmöglichen Raum, um die Zusammensetzung des Kabinetts und seine programmatischen Prioritäten zu kritisieren. Nach Ansicht der Opposition stellt die neue Regierung eine Gefahr für die außenpolitische Ausrichtung des Landes, die Stabilität der öffentlichen Finanzen und die Beziehungen der Tschechischen Republik zur Europäischen Union dar.
Der tschechische Premierminister Andrej Babiš hingegen verteidigte die Zusammenarbeit der Koalition als pragmatische Lösung für die Situation nach den Wahlen. Er betonte, die Regierung wolle die praktischen Probleme der Bürger angehen, wie die hohen Lebenshaltungskosten, die Energiepreise und die Bezahlbarkeit von Wohnraum. Das Kabinett wolle sich auf die Unterstützung der Binnenwirtschaft, den Schutz der nationalen Interessen und die Überprüfung einiger Maßnahmen der Vorgängerregierung konzentrieren.
Die Koalition wurde gebildet, nachdem die ANO-Bewegung die Wahlen im Oktober klar gewonnen hatte, aber nicht genügend Mandate erhielt, um eine Regierung ohne Partner zu bilden. Die Verhandlungen mit der SPD und den Autofahrern führten schließlich zu einer Vereinbarung, die der Regierung eine Mehrheit von 108 Stimmen sicherte. Die Beteiligung der SPD und der Motoristen an der Regierung war einer der Hauptkritikpunkte der Opposition, die von einer Verschiebung der tschechischen Politik hin zu radikaleren Positionen sprach.
Präsident Petr Pavel hat das Kabinett Babiš erst im Dezember ernannt, und ohne ein Vertrauensvotum konnte die Regierung ihre Befugnisse nicht in vollem Umfang ausüben. Die jetzige Abstimmung hat dieses Hindernis beseitigt, und das Kabinett kann nun mit der Vorlage von Gesetzen und der Umsetzung seines Programms beginnen. Gleichzeitig ist jedoch klar, dass die Regierung unter starkem Druck der Opposition und der Öffentlichkeit steht, insbesondere in Bezug auf den Haushalt, die Außenpolitik und die Beziehungen zu den Verbündeten.
gnews.cz - GH