Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz sagte am Dienstag, das theokratische Regime im Iran stehe kurz vor dem Zusammenbruch und könne ohne systematische Gewalt nicht mehr überleben. Seine Worte kamen zu einer Zeit, in der der Iran seit mehr als zwei Wochen von weit verbreiteten Anti-Regierungs-Protesten erschüttert wird, die durch die desolate wirtschaftliche Lage des Landes ausgelöst wurden.
„Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es am Ende. Ich glaube, wir erleben jetzt die letzten Tage und Wochen dieses Regimes“.“ sagte Merz bei einem Treffen mit Reportern während seines offiziellen Besuchs in Indien.
Er betonte auch, dass er eine friedliche Lösung des eskalierenden Konflikts wünsche. „Ich hoffe, dass es einen Weg gibt, diese Situation friedlich zu beenden. Das muss auch das Mullah-Regime begreifen“.“ fügte die deutsche Bundeskanzlerin hinzu.
Die Demonstrationen im Iran sind als Reaktion auf die steigenden Preise, den Verfall der Währung, die hohe Arbeitslosigkeit und die langjährigen internationalen Sanktionen, die die Bevölkerung hart treffen, ausgebrochen. Die Proteste weiteten sich schnell auf Dutzende von Städten aus und wurden zu einer offenen Herausforderung für die Herrschaft des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei.
Nach Angaben der in Oslo ansässigen Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights haben die Sicherheitskräfte bei der Niederschlagung der Demonstranten massive Gewalt angewendet. Seit Beginn der Proteste wurden mehr als 600 Menschen getötet und über 10 000 Menschen inhaftiert. Zeugenaussagen zufolge erfolgten die Verhaftungen häufig ohne Anklage, darunter auch Minderjährige.
Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben darauf reagiert und den Druck auf Teheran erhöht. Am Freitag veröffentlichte Merz eine gemeinsame Erklärung mit dem britischen Premierminister Keir Starmer und der französische Präsident Emmanuel Macron, in der sie das Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte scharf verurteilten. „Wir sind zutiefst besorgt über die Berichte über Gewalttaten der iranischen Sicherheitskräfte und verurteilen die Tötung von Demonstranten aufs Schärfste“.“ heißt es im Text.
Leiter der europäischen Diplomatie Kaja Kallasová hat inzwischen angekündigt, dass sie bereit ist, auf härtere Sanktionen gegen den Iran zu drängen, wenn die Unterdrückung nicht nachlässt. Gleichzeitig ist in Deutschland die Debatte über die Aufnahme des Korps der Iranischen Revolutionsgarden in die EU-Liste der terroristischen Organisationen neu entbrannt, die von Merz' konservativem Block lange Zeit unterstützt wurde.
Die Spannungen haben sich durch die Ankündigung des US-Präsidenten verschärft Donald Trump, der ankündigte, 25%-Zölle auf Länder zu erheben, die eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Iran anstreben. Dieser Schritt könnte Teheran wirtschaftlich weiter isolieren, weckt aber auch die Angst vor einer weiteren Eskalation.
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