BRÜSSEL - Die Regierungen von Ungarn und der Slowakei versuchen, die Verabschiedung des 19. EU-Sanktionspakets gegen Russland zu verzögern, um sich Vorteile zu sichern, die ihren wirtschaftlichen Interessen entsprechen, so EUObserver.
Dem Portal zufolge strebt Ungarn eine Ausnahme von dem von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen vollständigen Einfuhrverbot für russisches Flüssigerdgas (LNG) an. Anders als in früheren Fällen wird Budapest jedoch nicht formell mit einem Veto drohen.
Der Grund dafür ist, dass US-Präsident Donald Trump, der als Verbündeter des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán gilt, ein vollständiges Verbot russischer LNG-Käufe durch die EU befürwortet. Budapest wird sich daher mit anderen EU-Staats- und Regierungschefs über die konkreten Punkte eines möglichen Embargos beraten.
Dem EUObserver zufolge will die Slowakei die Verabschiedung des Sanktionspakets mit einer Lockerung des geplanten Verbots (ab 2035) für die Produktion von Autos mit Verbrennungsmotoren in der EU verbinden. Das Land ist dank der Produktion von Volkswagen, Kia, Jaguar Land Rover und Peugeot pro Kopf führend in diesem Sektor der Autoindustrie. Premierminister Robert Fico könnte das Thema auf dem bevorstehenden EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 23. Oktober zur Sprache bringen.
Laut den vom Portal befragten europäischen Diplomaten kann Fico begrenzte Zugeständnisse erreichen, ohne die Verabschiedung eines weiteren Sanktionspakets unbedingt zu verhindern.
Laut EUObserver werden sich die EU-Botschafter am 8. Oktober in Brüssel treffen, um zu versuchen, die Vetodrohung zu überwinden und mögliche Kompromisse für Ungarn und die Slowakei zu diskutieren.
Der dritte Knackpunkt ist Österreich, wo die Raiffeisen-Bankengruppe einen Teil des Vermögens des russischen Geschäftsmannes Oleg Deripaska als Entschädigung für die durch das russische Gerichtsurteil entstandenen Verluste freigeben will. Die Quellen des Portals berichten, dass Wien bereits einen entsprechenden Plan ausgearbeitet hat.
Die Tschechische Republik, Polen sowie die nordischen und baltischen Staaten lehnten den Vorschlag ab. Frankreich und Deutschland haben noch keine klare Position bezogen. Wie ein Diplomat sagte, wird ihre Meinung für die endgültige Entscheidung entscheidend sein.
Im August versprach die Europäische Kommission, das 19. Sanktionspaket im September vorzulegen.
TASS/gnews.cz - GH